Wasser predigen, Wein trinken?!

Langfristig denken & breit streuen. Jedermann und jedefrau kennt mittlerweile meine gebetsmühlenartige Wiederholung der Phrase, wie denn (erfolgreiche) Geldanlage aus meiner Sicht auszusehen hat. Aber halte ich mich denn privat an meine eigene Strategie, die ich öffentlich so gerne propagiere? Immer wieder kommen Freunde auf mich zu und meinen, ich würde in meinen privaten Depots anders handeln und meine eigenen Vorsätze zunichte machen.

In diesem Blogeintrag möchte ich zeigen, wie ich Geldanlage privat handhabe und warum das aus meiner Sicht in keinem Gegensatz zu dem steht, was ich auf meinem Blog vorlebe.

Mein Blog

Ich habe meinen Blog im November 2020 gestartet und schreibe seitdem über die Basics der langfristigen Geldanlage. Was muss man beachten, wenn man sein Geld anlegt? Wie ist man langfristig erfolgreich? Wie sehr spielt die Psychologie bei der Geldanlage eine Rolle? Was sollte man beim langfristigen Vermögensaufbau vermeiden?  

Auf meinem Blog könnt ihr über meine Strategie nachlesen und zudem die Entwicklung meines öffentlichen Portfolios verfolgen. Wie ihr wisst, lege ich monatlich 200€ über Sparpläne an, wobei 170€ in einen ETF und 30€ in Bitcoin fließen.

Wasser predigen

Langfristig denken & breit streuen. Diese Phrase wiederhole ich wohl wie keine andere auf meinem Blog. Warum? Treue Leser*innen meines Blogs kennen natürlich die Antwort: Weil das Risiko sowohl durch die Langfristigkeit als auch die breite Streuung enorm reduziert wird und weil ein langer Zeithorizont den Zinseszins voll wirken lässt. Natürlich gibt’s weitere Abstufungen, was man beachten sollte (niedrige Depotkosten bzw. Transaktionsgebühren, steuereinfacher Broker, meldepflichtige ETFs). Aber der langfristige Anlagehorizont und die breite Streuung stehen immer an erster Stelle. Wenn ich mich nicht an diese beiden Kernpunkte halte, helfen mir auch die niedrigsten Gebühren oder ein steuereinfacher Broker nichts.

Bei der Geldanlage geht’s vor allem darum, Risiko zu reduzieren. Die Rendite kommt dann am Aktienmarkt langfristig (und historisch gesehen) von selber. Risiko nehme ich dann in Kauf, wenn ich einzelne Aktien kaufe (also nicht breit streue) oder versuche, schnell viel Geld zu machen (und eben nicht langfristig denke).

Mein Anfang

Soweit so gut. Wer mich näher kennt, weiß, dass ich mich bereits 2017 an Kryptowährungen ausprobiert und 2018 mein erstes Aktiendepot eröffnet habe. In dieser Zeit habe ich viele (auch verlustreiche) Erfahrungen sammeln dürfen bzw. müssen. Erst durch viel Recherche und einiger toller Blogs (da fällt mir ein, ich könnte mal einen Blogeintrag darüber schreiben, welche Blogs ich lese) habe ich meine Strategie umgestellt und bin unter anderem auf ETF Sparpläne umgestiegen. Seitdem ist meine Performance deutlich besser geworden und hat schließlich dazu geführt, dass ich meinen Blog Ende 2020 gestartet habe, um mein Wissen weiterzugeben.

Aber Moment mal! Was heißt unter anderem auf Sparpläne umgestiegen?? Auf deinem Blog schreibst du doch nur von Sparplänen? ETF Sparplan und Bitcoin Sparplan. Machst du privat was anderes? Hältst du dich nicht an deine eigene Strategie?

Wein trinken ?

Ich halte mich sehr wohl an meine eigene Strategie. Ich habe den öffentlich bekannten Bitcoin und FTSE All-World Sparplan und im privaten Depot dazu noch 3 weitere Sparpläne: MSCI World, MDAX & S&P 500. (An dieser Stelle kann man natürlich schon diskutieren, inwieweit 4 verschiedene ETF Sparpläne Sinn machen). Langfristig denken und breit streuen ist für mich das absolute Mindestmaß, um Vermögen aufzubauen. Um ein schönes neu-deutsches Wort zu verwenden: Meine öffentliche Strategie ist die „Unterkante“ zum Erfolg. Das bedeutet nicht, dass ich privat nicht zusätzlich zu meinen Sparplänen auch Einzelaktien kaufe. Aber: ETFs machen über 60% meines Depotvolumens aus (und der Anteil wird aufgrund der monatlichen Sparpläne stetig mehr). Ich besitze aber vor allem aus der Anfangszeit noch viele Einzelaktien, die ich nicht verkauft habe. Aber nur weil ich Aktien privat besitze, heißt das nicht, dass ich Aktienkäufe auf meinem Blog auch empfehlen würde. (Einzelaktien darf ich sowieso nicht empfehlen, aber ich meine generell Einzelaktien zu kaufen).

Das gleiche gilt für Kryptowährungen: Ich besitze neben Bitcoin auch (ganz wenige) Altcoins. Schreibe ich darüber? Nein, weil für mich Bitcoin aus meiner Sicht die sicherste Geldanlage im Bereich der Kryptowährungen ist. Und ich Freunden bzw. Follower*innen nur Ratschläge gebe, wo ich mir selber sehr sicher bin. (So sicher, wie man sich bei volatilen Assets halt sein kann). Einzelne Aktien oder Kryptowährungen zu besitzen, bedeutet seeeeehr viel Aufwand, um up-to-date zu bleiben und gleichzeitig hohes Risiko. Und da mein Account EINFACH anlegen heißt, schreibe ich weder über Einzelaktien noch über riskante Altcoins, auch wenn ich diese privat halte.

Mein persönliches Risikoprofil

Mein persönliches Risikoprofil ist sicher höher, als ich es öffentlich vorlebe. Warum? Weil ich gerne Zeit und Ressourcen aufwende, um mich mit Einzelaktien und Altcoins zu beschäftigen. Ich verbringe viel Zeit in sozialen Medien & Foren, lese viele Finanzblogs und checke stündlich diverse Telegram Gruppen. So kann ich mein Risiko durch viel Aufwand reduzieren und mich trotz des grundsätzlich höheren Risikos durch Einzelpositionen wohlfühlen. Mein Blog richtet sich aber vor allem an Personen, die sich NICHT täglich mit Börse, Kryptowährungen und Wirtschaftsnachrichten beschäftigen wollen. Mein Blog zielt darauf ab, den Aufwand für langfristige Geldanlage auf das ABSOULTE MINIMUM zu reduzieren. Und das geht durch breite Streuung (ETFs), Automatisierung (monatlicher Sparplan) und langfristiges Denken (Risikominimierung).

Wein predigen, Wasser trinken

Zurückkommend auf das Sprichwort würde ich damit nicht behaupten, ich predige Wasser und trinke Wein, sondern mache es genau umgekehrt. Ich schreibe über die aus meiner Sicht ideale Strategie, lebe sie auch öffentlich vor, und fahre privat eine (on top) riskantere Strategie, die ich so (vor allem Anfänger*innen) nicht empfehlen würde und deswegen nicht erwähne. Und um ganz ehrlich zu sein: Seit ich meinen Blog betreibe, kaufe ich auch kaum mehr Einzelaktien oder andere Kryptowährungen. Einen Großteil meiner Bestände habe ich aus der Zeit vor dem Blog aufgebaut. Insofern hat mich auch mein eigener Blog dazu gebracht, noch mehr die, aus meiner Sicht, ideale Geldanlagestrategie zu verfolgen. (Auch wenn es mich weiterhin interessiert, mich mit Einzelaktien oder Altcoins zu beschäftigen)

Natürlich überlege ich hin und wieder auf meinem Blog mehr in die „Breite“ zu gehen und über Einzelaktien und Altcoins zu schreiben, die ich auch privat besitze. Aber bis jetzt hat es sich nicht richtig angefühlt, öffentlich darüber zu schreiben. Vielleicht ändert sich das in 2022. Wie siehst du das? Hättest du Lust, mehr über mein privates Depot zu erfahren? Schreibe mir in die Kommentare oder über Instagram.

In diesem Sinne wünsche ich euch schöne Feiertage und einen guten Rutsch ins neue Jahr!

Ciao!

1 Kommentar zu „Wasser predigen, Wein trinken?!“

  1. Jochen schafft es immer wieder aufs Neue mich mit seinem Blog zu beeindrucken. Erfrischend neue Gedanken und eine ehrliche Herangehensweisen zum Thema Finanzen. Danke!

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