Dividendenstrategie – Und was ich davon halte

Was ist eine Dividende?

Als Dividende wird jener Teil des Gewinns bezeichnet, den eine Aktiengesellschaft an seine Aktionär*innen ausschüttet. Nicht jedes Unternehmen schüttet Dividenden aus, aber die Dividendenrendite (Dividende/ Aktienkurs) wird oft bei der Analyse von Unternehmen herangezogen. Bei einer Dividendenstrategie achtet man auf eine gute bzw. hohe Dividendenrendite.

Dividende als Motivation

Ich gebe es zu, verlockend ist so eine Dividende ja schon. Du hältst eine Aktie und bekommst regelmäßig (US Unternehmen schütten oft quartalsweise aus, europäische eher jährlich) einen Teil des Unternehmensgewinns in Form einer Dividende ausgeschüttet. Es ist ein schönes Gefühl, wenn man etwas von seinem investierten Geld wieder zurückbekommt. Wer in Imperial Brands, einem internationalen Tabakhersteller, investiert, erzielt zum aktuellen Stand ca. 8% Dividendenrendite. Du kaufst dir also zum Beispiel um 100€ Aktien und bekommst übers Jahr gesehen ca. 8€ in Form einer Dividende (vor Steuern) ausbezahlt. Und natürlich profitierst du auch von einem potentiell steigenden Aktienkurs. Win-Win sozusagen.

Dividende als Entscheidungskriterium

Viele Anleger*innen achten daher bei ihrer Entscheidung zum Aktienkauf oft auch darauf, wie hoch die Dividendenrendite des Unternehmens ist. Je höher sie ist, desto verlockender ist die Aktie. Die Dividende hat man ja eher fix in der Tasche als einen Kursgewinn, bei dem man nicht wissen kann, ob die Aktie wirklich steigt. An dieser Stelle sei erwähnt, dass auch Dividenden keinesfalls fix ausbezahlt werden. Natürlich muss das Unternehmen Gewinne erzielen, aus denen die Dividenden bezahlt werden. Während der Corona Krise haben vor allem Mineralölunternehmen gelitten, wodurch diese ihre Dividenden kürzen mussten. Und gerade diese Unternehmen werden gerne aufgrund ihrer hohen Dividendenrendite gekauft.

Warum ich nicht auf Dividendenrendite achte

Wenn ich Einzelaktien kaufe (was fast nicht mehr vorkommt, weil ich ETFs deutlich bevorzuge), achte ich nicht auf die Dividendenrendite. Warum? Da ist erst einmal das Steuerthema: In Österreich muss man auf Dividenden 27,5% KeSt bezahlen. Bleiben wir bei dem Beispiel oben: Von den 8€ Dividende bleiben mir netto weniger als 6€ über. Je nachdem wo das Unternehmen gelistet ist, fallen zusätzliche Steuern im „Heimatland“ an (die sogenannte Quellensteuer, die abhängig vom Land teilweise gegen die österreichische KeSt gegengerechnet werden.). Zusätzlich kann es sein, dass dein Broker Gebühren für Dividendenausschüttungen verrechnet. Die Netto Dividende ist also deutlich niedriger, als das, was das Unternehmen tatsächlich ausschüttet.

Wenn ich die Dividende erhalten habe, kommt das nächste „Problem“. Was mache ich jetzt damit? Ich persönlich lege ja unter der Prämisse an, dass ich auf das investierte Geld jahrelang nicht zugreifen muss. Und nun bekomme ich plötzlich Geld retour, dass ich ja eigentlich nicht benötige. Investiere ich das erhaltene Geld jetzt wieder? Wenn ja, in welches Unternehmen? Ich muss mir also Gedanken machen, was ich mit der Dividende mache. Die Dividende einfach ausgeben wäre nicht zielführend, ich habe das Geld ja investiert, damit ich in der Zukunft mehr habe. Und nicht, damit ich es jetzt gleich wieder ausgebe.

Rendite ist Kursgewinn plus Dividende

Bei der Betrachtung von Unternehmen muss man immer auf die Gesamtrendite achten. Und die ist eben Kursgewinn PLUS Dividende. Unternehmen mit hohen Dividenden haben meistens weniger Kurssteigerungen. Klar, wenn Unternehmen ihre Gewinne lieber an die Aktionär*innen ausschütten, ist das ein Nachteil denen gegenüber, die ihre Gewinne einbehalten und lieber in das Wachstum des Geschäfts investieren. Und ein Wachstum der Umsätze und Gewinne hat im Normalfall eine Steigerung des Aktienkurses zur Folge. Persönlich habe ich also lieber, das Unternehmen behält seine Gewinne und investiert in sich selber, als ich bekomme eine Dividende ausbezahlt (muss sie versteuern) und mir erst Recht überlegen, was ich damit mache.

Zinseszinseffekt

Der Zinseszinseffekt ist jener Effekt, der langfristiges Investieren erst so richtig erfolgreich macht. Der Zinseszinseffekt sorgt über einen langen Zeitraum für exponentielles Wachstum. Man sollte daher unbedingt darauf achten, diesen Effekt für sich wirken zu lassen. Dividendenzahlungen torpedieren diesen Effekt. Unternehmen, die Dividenden ausschütten, verringern ihren Wert und die Aktie sinkt im Wert (Ex-Dividend Tag = Handelstag, an welchem der Aktienkurs einer Aktie um die Dividende gekürzt wird). Mit jeder Dividendenzahlung schneide ich von meinem Zinseszins langfristig einen großen Kuchen weg. Jetzt kann ich natürlich sagen, ich reinvestiere die erhaltene Dividende gleich wieder und lasse den Zinseszins weiter arbeiten. Nachdem ich aber mindestens 27,5% Steuer abdrücken muss, habe ich nachher auf jeden Fall weniger Vermögen.

Fazit

Je jünger man ist, desto besser kann und sollte man den Zinseszins für sich arbeiten lassen. Ich verzichte lieber auf ein paar wenige Euro Dividende kurzfristig, wenn diese langfristig um das vielfache mehr Wert sind. Ich verstehe die Verlockung einer Dividendenstrategie aufgrund des regelmäßigen Cashflows, bevorzuge es aber trotzdem, wenn das Unternehmen die Gewinne nutzt, um in das eigene Kerngeschäft zu investieren (oder lieber eigene Aktien zurückkauft und so den Wert der ausstehenden Aktien steigert). Je älter man ist, desto eher macht aus meiner Sicht eine Dividendenstrategie Sinn. Denn hier kann ich sagen, ich nutze die Dividenden um davon zu leben, und nicht, um noch weiter Vermögen aufzubauen.

Was ist eure Meinung dazu?

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Ciao!

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