Mentale Buchführung

Die mentale Buchführung (engl. mental accounting) beschreibt einen Prozess der mentalen Kategorisierung von Optionen. Gemäß der Theorie der mentalen Buchführung teilen wir finanzielle Transaktionen in mentale Konten ein und behandeln diese je nach Konto unterschiedlich. Bei der Geldanlage kann diese Unterscheidung zu falschen Entscheidungen führen.

Prinzip

Grundsätzlich kann eine mentale Buchführung Sinn machen. Beispielsweise wissen wir ungefähr, was wir im Monat an Fixkosten haben, wieviel Geld wir regelmäßig sparen wollen oder wieviel wir für den Urlaub ausgeben wollen. Diese fiktive Einteilung kann uns helfen, einen Überblick über die Ein- und Ausgaben zu behalten. Teilweise geht das soweit, dass nicht nur eine mentale Buchführung stattfindet, sondern das Geld tatsächlich physisch (bzw eher digital) in verschiedenen Unterkonten geparkt wird. Ich persönlich führe zum Beispiel neben dem Girokonto noch separate (kostenlose) Sparkonten, bei denen ich für verschiedene Zwecke spare: Urlaub, Studium oder aber auch Kosten für meinen Blog (für Gewinnspiele, Werbung, Serverkosten, etc, ..).

Theaterkarten Experiment

Der Wirtschaftswissenschaftler Richard Thaler setzte zur Theorie der mentalen Buchführung ein Experiment auf, bei dem Testpersonen in ein Theater gehen sollten und die Karte dafür 10 Dollar kostete. Im Experiment wurde den Besuchern gesagt, sie stünden nun an der Abendkasse und hätten die zuvor gekauften Karten verloren. Sie müssen die Karten also neu kaufen. 56% waren dazu aber nicht bereit. Nach der Theorie der mentalen Buchführung werden die 10 Dollar der Kategorie „Theaterbesuch“ dazugerechnet, wodurch eine Karte nun 20 Dollar kostet (Verlorene Karte plus neue Karte).

Einer anderen Gruppe des Experiments wurde gesagt, sie sollen die Karten ebenfalls an der Abendkasse kaufen. Ihnen wurde dann mitgeteilt, sie hätten kurz zuvor 10 Dollar Bargeld verloren und müssten die Karte nun von einem anderen Geld zahlen. Hier entschieden sich 88% für den Kauf der Karte. Mental wurden die 10 Dollar Bargeld Verlust einem anderen Konto zugerechnet, der Preis der Eintrittskarte blieb somit bei 10 Dollar.

Problem

Entscheidungsirrelevante Kosten (mehr dazu hier) wie versunkene Kosten sollten nicht in eine rationale Entscheidungsfindung mit einfließen. Eine mentale Kontenbildung kann jedoch dazu führen, dass versunkene Kosten nicht erkennt werden.

Bleiben wir bei meiner mentalen bzw. tatsächlichen Kontenführung. Wenn mein Sparkonto für die Kategorie „Kosten für einfachanlegen.at“ plötzlich gehackt wird und das Geld verschwunden ist, würde ich gemäß der mentalen Buchführung das Geld nicht mehr ersetzen. Ich müsste meinen Blog schließen, weil das Geld, das dem Account zugewiesen wurde, nicht mehr vorhanden ist. Natürlich würde ich den Blog aber weiterhin betreiben und das Geld aus anderen Quellen auftreiben. Die Kosten für den Blog verdoppeln sich deswegen aber nicht (gehacktes Geld + frisches Geld), sondern bleiben gleich. Das durch den Hackerangriff verschwundene Geld sollte einer „neutralen“ Positionen zugeschrieben werden.

Rationale Entscheidungen sind bei der Geldanlage absolut notwendig. Wenn Geld mental verbucht wurde, aber sich die Rahmenbedingungen verändert haben (weil zum Beispiel Geld verloren wurde oder höhere Kosten als geplant angefallen sind), muss eine Neubewertung der Situation geschehen. In diesem Fall dürfen die versunkenen Kosten NICHT mit einberechnet werden. Viel mehr sollte man in diesem Fall die mentalen Konten zu einem großen Topf zusammenwerfen, die neue Lage bewerten und darauf basierend eine sachliche Entscheidung treffen.

Ciao!

PS: Wer meinen Account trotzdem unterstützen will, kann man mir gerne einen Café spendieren oder meinen Bitpanda Affiliate nutzen 🙂 Danke!

1 Kommentar zu „Mentale Buchführung“

  1. Guter Eintrag!
    Du zeigst sehr wichtige Prizipien auf, die mMn generell für die Entscheidungsfindung und nicht nur auf finanzielle Entscheidungen anzuwenden sind. Finanzielle Sunk Costs könnten ja auch z.B.: mit körperlichem oder zeitlichem Aufwand ersetzt werden. Auch in solchen Situationen müssen Entscheidungen getroffen werden, in denen früherer Aufwand keine Rolle spielen sollte.

    z.B.: Ich habe mich bereits ein halbes Jahr einem Studium gewindmet, das mir überhaupt nicht gefällt –> weiterführen oder nicht?
    oder: Ich habe eine Idee zu einem Produkt, das ich verkaufen möchte und habe dazu schon monatelange Vorarbeit geleistet. Vom Markt gibt es aber überhaupt keine positive Rückmeldung, dass Bedarf dafür besteht. –> Projekt weiterführen? Aufhören? Anpassen?

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