Irrationale Entscheidungen

In diesem Blogeintrag möchte ich mich dem Thema der irrationalen Entscheidungen widmen. Welche Denkmuster uns hindern, richtige Entscheidungen zu treffen und was die Ursachen dafür sind.

Sunk costs

Sunk costs, zu deutsch „versenkte Kosten“, sind Kosten, die bereits angefallen sind und nicht mehr rückgängig gemacht werden können. Versunkene Kosten spielen bei der Geldanlage eine nicht unwesentliche Rolle, denn diese Kosten dürfen bei einer rationalen Entscheidung über zukünftige Investitionen nicht berücksichtigt werden.

Beispiel: Du investiert 100€ in eine Aktie und sie fällt um 50% auf 50€. Wenn du nun eine Entscheidung triffst, ob du die Aktie weiterhin halten solltest, darf der aktuelle Kursverlust keine Rolle spielen. Stelle dir stattdessen vor, du hättest die verbliebenen 50€ noch nicht investiert. Würdest du das Geld, Stand jetzt, in diese Aktie investieren? Ist das Investment noch eine gute Entscheidung? Wenn nein, solltest du das Geld umschichten, unabhängig davon, was du verloren hast.

Verlustaversion

Die neue Erwartungstheorie (engl. Prospect theory), entwickelt von Daniel Kahnemann und Amos Tversky beschreibt, wie wir Menschen Gewinne und Verluste ungleich wahrnehmen. So nehmen wir Verluste deutlich stärker war als Gewinne. Unsere Verlustaversion ist stärker ausgeprägt, als die Freude etwas zu gewinnen. Das geht soweit, dass wir bereit sind, größere Risiken auf uns nehmen, um Verluste zu vermeiden. Wenn wir die Wahl zwischen sicheren 50€ oder einer 50-prozentigen Wahrscheinlichkeit 100€ bzw. 0€ zu gewinnen, wählen wir die sicheren 50€. Umgekehrt, wenn wir vor die Wahl gestellt werden, 90€ sicher zu verlieren oder mit einer 90-prozentigen Wahrscheinlichkeit 100€ Verlust erleiden, wählen wir die „Lotterie“. Der sichere Verlust ruft eine starke Verlustaversion hervor und dies führt dazu, dass wir Risiko eingehen.

Endowment-Effekt

Zusätzlich zur ausgeprägten Verlustaversion wirkt der Endowment-Effekt oder auch „Besitztumseffekt“. Der Effekt besagt, dass Menschen dazu tendieren, ein Gut wertvoller einzuschätzen, wenn sie es besitzen. Der Verkauf von Gütern aktiviert laut Kahnemann Hirnregionen, die mit Ekel und Schmerz assoziiert sind. Auch das Kaufen von Gütern aktiviert diese Areale, aber nur, wenn die Preise als zu hoch wahrgenommen werden. Wenn man also das Gefühl hat, dass ein Verkäufer mehr Geld nimmt, als dem Tauschwert entspricht.

Der Besitztumseffekt kann dazu führen, dass wir uns in unser Investment „verlieben“. Dass wir einer Aktie einen persönlichen höheren Wert zuschreiben, als es die Performance begründen würde. Die Gefahr besteht, dass wir uns von einem schlechten Investment nicht trennen können, obwohl es rational die deutlich bessere Entscheidung wäre, zu verkaufen.

Fehler bei der Investitionsentscheidung

Stellen wir uns nun vor, wir haben eine Aktie gekauft, die sich negativ entwickelt hat und nun deutlich im Minus steht. Die oben aufgezählten Effekte sorgen dafür, dass wir uns mit einer rationalen Entscheidung nun sehr schwer tun.

  • Sunk costs: „Ich habe schon so viel Geld in die Aktie investiert, ich will sie jetzt nicht verkaufen. Die muss ja irgendwann wieder steigen.“
  • Verlustaversion: „Ich will die Aktie nicht mit Verlust verkaufen. Ich warte lieber, bis ich wieder positiv bin, dann verkaufe ich.“
  • Endowment Effekt: „Meine Aktie ist gar nicht so schlecht. Und die andere Aktie steht gerade auf dem Allzeithoch, die ist doch viel zu teuer“

Rationale Entscheidungen

Bei der Geldanlage müssen wir versuchen, unsere Emotionen im Griff zu halten und rationale Entscheidungen zu treffen. Wenn wir im Minus stehen, gehen wir aufgrund der oben genannten Verlustaversion ein größeres Risiko ein, um den Verlust wieder gut zu machen. Das führt zu schlechten Entscheidungen und schlechter Performance. Wir halten die Aktie weiterhin, obwohl wir bessere Alternativen hätten. Oder wir werfen gutem Geld noch schlechtes Geld hinterher, kaufen die Aktie also nach, weil „sie jetzt richtig billig ist und nur mehr steigen kann“.

Die einzige Frage, die du dir bei deinem Investment stellen solltest, lautet: Würde ich JETZT in diese Aktie mein Geld investieren? Unabhängig davon, wie die bisherige Performance war. Die Frage solltest du dir daher auch stellen, wenn du bereits gut im Plus mit deinem Investment stehst. Merke dir: Es geht immer nur um die zukünftige Erwartungshaltung. Wenn die Aktie schon 200% im Plus steht, solltest du dir also nicht denken „wenn sie jetzt 50% fällt bin ich noch immer im Plus“. Sondern auch hier die ehrliche Frage stellen: Ist das Investment noch immer eine gute Wahl?

Du siehst, einzelne Aktien zu kaufen und zu halten erfordert viel Zeitaufwand und die Fähigkeit, Emotionen auszublenden und rationale Entscheidungen zu treffen. Wie du weißt, empfehle ich daher immer den Ansatz des passiven, breit gestreuten Investierens mittels ETFs. Welchen Vorteil ETFs gegenüber Aktien haben, habe ich hier schon mal beschrieben.

Ciao!

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