Die Geister, die ich rief

Mindset, Mindset, Mindset. Fast immer (auch auf meinem Blog) liest man vom nötigen Mindset, das man braucht, um erfolgreich bei der Geldanlage zu sein. Da geht´s einerseits um Dinge wie Zeitpräferenz (verzichte ich auf kurzfristige Belohnung für langfristigen Erfolg), um Psychologie (zb. bei fallenden Kursen nicht in Panik zu verfallen und gegebenenfalls sogar nachzukaufen) aber auch um den grundsätzlichen Zugang zu Geld.

In diesem Eintrag möchte ich das Thema aufgreifen, inwiefern ein (hart) erlerntes Mindset zum Vermögensaufbau aus meiner Sicht langfristig zu einem Teil auch wieder „verlernt“ werden sollte. 

Spare in der Zeit

Mein Opa hat immer gesagt: „Spare in der Zeit, dann hast du in der Not“. Dieses Mindset habe ich von klein auf mitbekommen. Was ist damit gemeint? Wenn man Geld erhält, soll man dieses nicht sofort wieder zur Gänze ausgeben. Eh logisch. Mall soll zumindest einen Teil davon weglegen, um in Zeiten, in denen man mehr Geld benötigt als man einnimmt, über genügend Geldreserven verfügt. Was manch anderer vielleicht mühsam lernen muss, nämlich einen Teil des Einkommens wegzusparen und „für später“ aufzuheben, war für mich immer einfach. Und ich war fast immer in der glücklichen Situation, mehr Einnahmen als Ausgaben zu haben und mir so langfristig einen schönen Polster aufbauen zu können. Beziehungsweise konnte ich meine Ausgaben entsprechend reduzieren, wenn die Einnahmen ausblieben.

Verdienen, sparen, investieren

Praktisch funktioniert Vermögensaufbau ja ganz einfach. Du musst Geld verdienen, einen Teil davon wegsparen und davon wiederum einen Teil investieren. Das mit dem Verdienen bekamen wohl sehr viele von uns früh aus dem Elternhaus mit („Lern was gscheit´s, dann bekommst du einen guten Job!!!11“). Beim Sparen wird´s schon etwas schwieriger und die Geldanlage am Aktienmarkt ist für viele sowieso lange Neuland gewesen. Viele Erfahrungen muss man bei der Geldanlage am Aktienmarkt schmerzhaft selber machen, um daraus zu lernen und sein notwendiges Mindset (Ruhe bewahren, langfristig denken, rational handeln) aufzubauen. 

Neue Verhaltensweisen

Wer es aber geschafft hat, ein richtiges Mindset anzueignen, wird mit hoher Wahrscheinlichkeit langfristig ein Vermögen aufbauen. Basis dafür ist der grundsätzliche Umgang mit Geld: Wer investieren will, der braucht Geld. Und je mehr man spart, desto mehr Geld hat man zur Anlage zur Verfügung. Ein Denkmuster lautet also: Spare so hart es geht, dann kannst du mehr investieren.  So gut der Grundgedanke ist, so unangenehmer wird es, je extremer nach diesem Mindset gelebt wird. Denn aus diesem Verhaltensmuster heraus entspringt eine „Geiz ist geil“ Mentalität. Sparen wo es geht, noch billiger, noch mehr verzichten, um am Ende des Monats viel Geld zum Investieren zur Verfügung zu haben.

Die Geister, die ich rief

Ein altes Sprichwort lautet: „Die Geister die ich rief, werd´ ich nun nicht mehr los“. Ich denke, viele Menschen, die es zu einem Vermögen geschafft haben, haben es deswegen geschafft, weil sie einen bewussten (und sparsamen) Umgang mit Geld gelernt haben. Ich habe aber das Gefühl, dass Menschen, die aufgrund ihrer teilweise ausgeprägtem „Geiz ist Geil“ Mentalität vermögend geworden sind, es nicht schaffen, dieses Mindset zumindest teilweise wieder abzulegen. So wie man sich das richtige Mindset im Zuge der Geldanlage angeeignet hat, so muss man es genauso wieder zu einem Teil „verlernen“, wenn man es zu Vermögen geschafft hat. Man möchte zum Beispiel meinen, dass Menschen mit Vermögen großzügiger sind als jene, die über wenig Vermögen verfügen. Schließlich können es sich gut betuchte ja eher leisten. Aber meine Erfahrung ist genau anders rum. Vermögende Menschen sind meiner Erfahrung nach weniger großzügig als andere, eben weil sie es durch ihre sparsame Art zu Vermögen geschafft haben.

Neben dem „Geiz ist Geil“ Mindset kommt an der Stelle wohl noch dazu, dass man jahrelang auf viel verzichtet hat, viel gespart und investiert hat und jetzt umso weniger dieses mühsam verdiente Geld ausgeben will. Das Vermögen auf dem Konto ist quasi der Trost für die harte Zeit. Und das soll natürlich nicht weniger werden, im Gegenteil. Je größer das Vermögen, desto eher ist der Schmerz des Verzichtens auszuhalten. Das führt zu einem Teufelskreislauf: Immer mehr Vermögen anzuhäufen wird zu einem Selbstzweck.

Mittel zum Zweck

Geld soll für mich immer Mittel zum Zweck sein, niemals der Zweck selber. Ich denke, es braucht einen anderen Umgang mit Geld, nachdem man sein gestecktes finanzielles Ziel erreicht hat. Dieses „Umtrainieren“ des Geistes kann sehr mühsam sein, aber es ist aus meiner Sicht absolut notwendig. Es geht dabei keinesfalls darum sein Vermögen sinnlos zu verprassen, sondern sich zu überlegen, was man mit dem Vermögen machen will. In eine neue Ausbildung investieren? Die Welt entdecken? Ein eigenes Projekt starten? Die Arbeitszeit reduzieren? Klimaprojekte unterstützen? Einer langfristigen „Geiz ist Geil“ Mentalität kann ich wenig abgewinnen, vor allem nicht von jenen Menschen, die es sich finanziell leisten können. Wer es zu viel Vermögen geschafft hat, kann mit dem Geld viel Sinnvolles anstellen. Nicht nur für sich, sondern vor allem auch für andere.

Was ist deine Meinung dazu?

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Ciao!

Johannes

1 Kommentar zu „Die Geister, die ich rief“

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